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Das Zeitspiegelbild hat Gedanken und Meinungen, die es nicht für sich behalten kann und muss. BLOG sei dank. 


26. Oktober 2016, 00:17

Mein Freund Alien ist nicht religiös

Alien erzählte mir, dass er diesen Planeten vor über zweitausend Jahren erreicht habe. Er selbst sei noch tausend Jahre älter. Das biblische Alter spielte er herunter. Es sei nichts im Vergleich zu dem Alter so mancher Gewächse auf diesem Planeten, ob Bäume oder Pilze.
Das außergewöhnlich hohe Alter war ihm aber nicht anzusehen. An den Händen war er nicht nur faltenfrei, dort war seine Haut sogar aalglatt.
Natürlich fragte ich, ob er damals von Jesus gehört oder ihn möglicherweise sogar getroffen habe.
„Ist das wichtig?“, fragte er zurück und lächelte, als habe er die Antwort bereits zur vollsten Zufriedenheit erhalten.
„Das kommt vermutlich auf die Antwort an.“, bemühte ich mich, sein Lächeln angemessen zu bedienen.
„Dann ist es ganz sicher nicht wichtig.“, sagte er mit einer Bestimmtheit, die keine weiteren Deutungen zuließ. Er ließ eine kleine Pause und fügte hinzu: „So wie ich es verstanden habe, war dieser Herr sehr damit beschäftigt, Menschen zu helfen. Und er wollte ihnen neue Gedanken nahe bringen, weil er unter dem rohen Zustand der Menschheit litt. Natürlich wird die Kreuzigung eine Erlösung gewesen sein! Selbst heutzutage wird über Gutmenschen geredet. Und am liebsten würden viele sie gerne auch kreuzigen. Wenn Sie also nicht ausschließlich an dem wahren Geist der Gedanken interessiert sind, ist jede weitere Frage sinnlos.“
„Sie könnten mir die Frage dennoch beantworten.“, bat ich weiter.
„Eine Antwort auf eine sinnlose Frage wäre sinnloser als die Frage!“, beendete er das Thema und stellte mir Fragen zu meiner Arbeit.

Bis zum nächsten Mal
Euer Zeitspiegelbild

Redakteur

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11. Oktober 2016, 14:47

Mein Freund Alien versteckt sich

Unsere erste Begegnung dauerte etwa eine Stunde. Obwohl ich spätestens nach einer halben Stunde hätte aufbrechen sollen. Eigentlich wollte ich etwas erledigen. Aber dann hätte ich das Gespräch abbrechen müssen. Das schien mir völlig abwegig. Ich war noch lange nicht fertig mit ihm.
„Entschuldigen Sie, Alien! Seit einer halben Stunde sitze ich neben Ihnen und erzähle aus meinem Leben. Ich werde Sie jetzt nicht verlassen, obwohl ich etwas sehr Wichtiges zu tun hätte. Warum ich meinen Plan umwerfe, weiß ich nicht, aber ich tue es. Etwas beschäftigt mich sehr. All die Menschen, die bisher vorbei liefen, waren völlig unbeeindruckt. Auch jene, die uns interessiert länger und eingehender angeschaut haben als jene mit dem nur flüchtigen Blick, der schon genügen müsste, um alle Aufmerksamkeit auf Sie zu konzentrieren. Aber die Menschen ignorieren Sie.“
„Ich bin schon sehr lange auf der Erde und habe mich angepasst.“, reagierte Alien ohne messbare Verzögerung.
Ich war skeptisch. „Ihr Anzug ist ohne Zweifel sehr modern. Aber ….!“
„Die Menschen sehen nur den Anzug. So sind die Menschen. So wollen sie es.“
„Sie verstecken sich in Ihrem Anzug? Aber ich sehe Sie doch, sehe Ihre vier Augen, Ihre quadratische Kopfform und den falschen Sitz Ihrer Nase! Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich will damit nicht sagen, dass Ihnen Ihr Aussehen nicht stehen würde. Um ehrlich zu sein, es steht Ihnen sogar sehr gut.“
„Alle sehen mich so wie Sie mich sehen. Alle! Es ist nur eine Frage von Interesse und Vertrauen.“
„Aber wo kommt es her?“
„Der Mensch begnügt sich gerne mit der Fassade. Ich habe das weit über zweitausend Jahre auf der Erde beobachten können. Ihre Spezies funktioniert, aber es ist eben eine recht einfache Spezies. Das ist nicht abfällig gemeint. Die Menschen bewundern auch die Intelligenz von Delfinen. Mir geht es ähnlich mit den Menschen. Es sind wundervolle Geschöpfe.“
Aliens Ansichten beleidigten mich nicht. Im Gegenteil, ich fühlte mich sogar verstanden, respektiert und geachtet. Meine Frage war damit natürlich nicht beantwortet.
„Ich bin noch nicht so lange auf der Erde“, sagte ich, „aber ich wundere mich heute sehr über die Menschen. Soviel Fassade kann es gar nicht geben, dass man Sie, lieber Alien, nicht sehen würde.“
„Ich habe mir die Fassadenblindheit der Menschen zunutze gemacht. Da ich kein Mensch bin, habe ich natürlich meine speziellen Eigenschaften, wie so ziemlich alle anderen Gattungen auch. Ich bin da nichts Besonderes, das dürfen Sie mir glauben. Mir ist es gegeben, meine Feromone bewusst zu steuern. Sie sind wie die Medienlandschaft auf der Erde. Meine Feromone vernebeln die Sinne und bestimmen, ob und wie viel Interesse und Vertrauen die Menschen aufbringen."

Bis zum nächsten Mal
Euer Zeitspiegelbild

Redakteur

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07. Oktober 2016, 09:45

Mein Freund Alien

Alien saß auf einer Parkbank und döste, als ich ihn das erste Mal sah. Es war an einem Vormittag. Er war gut gekleidet. Sein grün schimmernder Anzug, der schon ins Bläuliche ging, war sicher nach genommenem Maß gefertigt. Eine schmächtige Statur und vor allem überproportional kurze Arme machten einen Schnitt in jedem Falle erforderlich. Der Stoff wirkte sehr hochwertig. Dem gewebten Material war förmlich anzusehen, dass sogar die Schwerkraft wirksam eingebunden wurde, um den Sitz zu stärken und Eleganz zu formen.
Alien saß wie eine Erscheinung, wie ein gebundenes Paket Wissen, voll mit lebender Essenz und reich an Güte und Herzlichkeit. Die glänzenden Schuhe waren aus feinstem Leder und vermittelten den Eindruck, ihr Träger sei ohne Zweifel eine standhafte Persönlichkeit auf sicheren Füßen. Ein schwarzer Hut mit nur schmaler Krempe bedeckte den fast schon quadratischen Kopf.
„Entschuldigen Sie, darf ich mich setzen?“, fragte ich höflich. Die Sonne schien und ich wollte einige Strahlen genießen.
„Selbstverständlich, ich bitte darum. Ich bin nur ein Alien. Lassen Sie sich durch mich nicht stören.“
Seine Stimme war so angenehm, dass mich seine Behauptung, ein Alien zu sein, nicht einmal verwunderte. Ich zweifelte auch nicht daran. Man sah es ihm an. Immerhin hatte er eine schuppige graue Haut und vier Augen dort, wo ein Mensch seine Nase hat. Bei ihm war die Nase außerdem über den Augen. Der Mund war aber an gleicher Stelle, die Ohren auch, allerdings kleiner. Erstaunlich war nur, dass seine Anwesenheit wie selbstverständlich wirkte. Niemand hatte zuvor von diesem Alien berichtet. Es war überhaupt noch niemals ein Alien tatsächlich gesichtet worden, immer war es bei Behauptungen geblieben.
Noch bevor ich Platz nahm, sagte ich: „Vielen Dank, sehr freundlich. Ich bin Mensch. Man sieht es mir vermutlich an.“
Meine Unsicherheit lächelte Alien verständnisvoll beiseite. Er wirkte menschlich. Ich wollte ihm vertrauen und tat es. Rückwirkend betrachtet, hatte ich keine andere Wahl.
„Ich hoffe es stört Sie nicht, dass ich ein Alien bin.“
Ich antwortete, ohne zu überlegen: „Nein, eigentlich nicht! Ich habe noch nie einen Alien kennen gelernt! Warum sollte ich mich also gestört fühlen?“
„Nun ja, die Menschen haben mitunter sehr eigenartige Ängste, wenn ich so sagen darf. Das fängt ja nicht erst bei der Hautfarbe an. Manche stören sich ja schon an roten Haaren. Es gab Zeiten als diese wegen eines vermeintlichen Anfangsverdachtes auf einem Scheiterhaufen landen konnten."
Erst jetzt bemerkte ich, dass seine Augen Lider hatten, die sich – ähnlich wie bei uns Menschen - immer wieder über die tiefschwarz hervorstehenden Augen stülpten.

Bis zum nächsten Mal
Euer Zeitspiegelbild

Redakteur

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23. August 2016, 00:30

Sommergefühle

Der Sommer schenkt seine Freuden. Ruhelos genieße ich die Schönheiten der Natur und springe von einer Wolke zur nächsten. Ein Windzug, ein Duft, schon kann es um mich geschehen sein, schon wende ich mich der nächsten Blüte zu. Wie eine Libelle tanze ich und lausche den Klängen, als sei ich ein Gesandter, der für die Königin das schönste Lied sucht. Die Zärtlichkeit des Lebens streichelt meine Wangen und umspült den Raum mit unendlicher Wärme. Gedanken verlieren sich im Dickicht der Gefühle und ein Traum erwacht zum Leben. Farben sammeln das Licht ein und und spielen das Spiel der Elemente. Es gelingt das eine oder das andere Wort in der einen oder anderen Kombination. Das Leben schmeichelt und versprüht sein Glück.

Bis zum nächsten Mal
Euer Zeitspiegelbild

Redakteur

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13. Juni 2016, 23:27

Gedankenverloren

Ich habe meine Gedanken nicht eingestellt, habe nicht aufgegeben, zu denken und zu fühlen. Im Gegenteil, gestern weinte ich, weil ich sang: „Es ist so einfach, schau dir nur die blühenden Blumen an“.
Bin wieder in den Beobachtungsmodus gefallen, gegangen, geschlichen oder geflüchtet. Aufgeregt hatte ich mich bemüht, Zusammenhänge zu erklären, auf Hintergründe zu verweisen, um Verständnis zu ringen.
Die Welt drehte sich und ich las in einem Weltatlas der Geschichte. Es ist so viel zu wissen, so viel zu ignorieren. Wo soll man anfangen und nie aufhören? Heute ist es nicht besser als vor den ganzen anderen unseligen Zeiten. Dauertrauer ist aber auch keine Lösung. Dieses verdammte Unrecht, ob geschrieben oder nicht. Man möchte explodieren. Das geht auch nicht. Ich schreibe also vor mich hin und denke etwas anderes.
Manchmal, wenn ich auf der Gitarre spiele, bin ich bei Ereignissen meines Lebens, durchlebe sie, diskutiere, lache oder hinterfrage und finde mich in einem wunderbaren Rhythmus unter traumhafter Melodie mit dem Gefühl und Bewusstsein, dass man Wissen fühlen können muss.
Meine Gedanken sind selbständig und mir gegenüber loyal. Ich möchte sie nicht verlieren. Wenn ich beobachte, kann ich meine Gedanken nicht verlieren. Denn dann bin ich in den Gedanken verloren. Hoffnungsvoll.

Bis zum nächsten Mal
Euer Zeitspiegelbild


20. November 2015, 13:41

Krieg

Irgendwie ist es auch gut, wenn die Menschen endlich begreifen, dass mit unseren Waffen Kriege geführt werden und diese Kriege auch bei uns ankommen können. Was wir erleben, ist nichts gegen das, was früher geschah und was anderswo passiert. Ich hoffe, jeder tankt Stärke und positive Inspiration. Warum ist dieser Krieg entstanden? Was hat die westliche Zivilisation damit zu tun? Wie regeln wir unseren Wohlstand? Welche Leistungen anderer Völker / Menschen nehmen wir zur Schaffung und zum Erhalt dieses Wohlstandes in Anspruch? Unter welchen Bedingungen werden diese Leistungen erbracht?

Bis zum nächsten Mal,
Euer Zeitspiegelbild


19. Oktober 2015, 19:38

Schwache Identitäten

Identität ist etwas sehr Existentielles. Im Duden ist sie, im psychologischen Sinne, als „Selbst“ erlebte innere Einheit einer Person definiert. Das ist sehr vielschichtig und könnte mit einem Blick ins Weltall vergleichbar sein, auf der Suche nach einem Schwerpunkt des Universums. Auch die inneren Werte, derer man sich rühmt, die man vielleicht sogar mit Stolz stützt, sind Bestandteil der Identität. Eine Volksgruppenzugehörigkeit stellt für einen Großteil der Menschheit ebenfalls ein Identitätsmerkmal dar. Auch eine Dorfgemeinschaft kann eine Identität entwickeln, ja sogar Staatengemeinschaften. Und tatsächlich stellen wir mit den Flüchtlingsströmen fest, dass es zu Spannungen kommt, wenn Völker 'durcheinander' geraten.
Wie schwach muss eine Identität beschaffen sein, dass man einer irrationalen Angst anheim fallen kann, der eigenen nationalen und kulturellen Identität beraubt zu werden? Welcher Stolz ist so groß, welche Werte sind so hoch angesiedelt, dass sie unter allen Umständen gegen 'Eindringlinge' präventiv verteidigt werden müssen? Die fehlende Empathie der Flüchtlingsparanoiden macht alle diese Werte zunichte. Anderenfalls wäre man in der Lage, hochgehaltene Werte mit Leben und Stolz zu füllen, Gutmensch als Missionar in eigener Sache zu sein und die ankommenden Menschen für sich zu gewinnen. Den Menschen auf dem Kontinent Europa muss gezeigt werden, dass die jeweils eigene nationale und europäische Identität mit den sie füllenden Werten in der Welt konkurrenzfähig ist und beispielhaft bestehen kann. Nehmen wir die uns fremden Menschen mit auf dem Weg der Friedfertigkeit und Hilfsbereitschaft. Nicht allein die freiheitlich demokratische Grundordnung oder in Schlagworte gefasste Werte des Grundgesetzes sind schützenswert. Das ist mir zu formal. Auch Empathie zähle ich zu den Werten, die ich von Europa und ihren Bewohnern erwarte. Und Empathie will gelebt sein, sonst verkümmert sie. Besonders beklemmend ist, wenn entlarvt wird, dass die Paranoia dem Erhalt des eigenen Wohlstandes geschuldet ist. Ich möchte für Wohlstand nicht über Leichen gehen. Die Verantwortung der Wohlhabenderen für den Zustand der Welt ist an dieser Stelle nicht ausdrücklich thematisiert. Mir geht es um Empathie. Abschotten und weiter fressen geht gar nicht.

Bis zum nächsten Mal
Euer Zeitspiegelbild


16. Oktober 2015, 19:50

Warum?

Naivität ist nicht meine Stärke. Per Definition sehe ich mich nicht als leichtgläubig, arglos, leicht verführbar oder unwissend an. Nein, ich bin Jurist. Nicht nur beruflich bin ich auf Tiefgang eingestellt. Was sollte mich noch leichtgläubig die Dinge betrachten lassen, nach über einem halben Jahrhundert Lebenserfahrung und Jahrzehnten der Detailsuche in Akten und Vorträgen, tausenden Gefechten mit formalen Schwertern und höchst individuellen Ansprüchen der Mitmenschen? Ich lasse mich nicht gerne auf kaum durchdachte Szenarien eines Wandels ein. Naivität geht auch mit einem Hang zur Oberflächlichkeit einher. Nichts für einen Juristen, der seinen Beruf leidenschaftlich ausübt.
Wie komme ich aber nun dazu, in diesem Blog als Stimmungsmacher für Weltverbesserer aufzutreten? Obwohl die Menschen die bemerkenswerte Eigenschaft haben, sich abgrenzen zu wollen, sie nehmen Individualität für sich in Anspruch. Ich auch! Gelegentlich erfolgreich.
Aber ich möchte zu den historisch optimistischen Menschen zählen und wissen, dass ich auch im Kleinen, bis in die unscheinbaren Details des Lebens wirken kann. Eine Notwendigkeit zur Anpassung an das unvermeidbar Böse sehe ich nicht. Vielmehr nötigt mir das Böse den unüberwindbaren Wunsch nach Abgrenzung ab. Derzeit sind etwa 7 Milliarden Individuen mit menschlichen Genen aktiv. Das sind genau so viele potentiell Gleichgesinnte.
Und weil ich das 'Paradies auf Erden' ohnehin durch eine Hintertür betreten werden muss, und zu Lebzeiten der Planet Erde das Paradies ist, muss ich auch nicht mögliche historische Dimensionen aus dem Blickwinkel verlieren. Die Anzahl und Intensität aktueller kriegerischer Auseinandersetzungen deutet darauf hin, dass eine Entwicklung der Weltordnung stattfinden wird. Ich denke durchaus auch mittel- und langfristig. Nicht erst nach 1945 wurden Karten neu verteilt und Regeln modifiziert. So funktioniert Geschichte. Die Bedeutung der UNO könnte zum Beispiel wachsen. Sie sollte wachsen. Die Welt kann sich nicht mehr zurück halten. Insbesondere muss die schwache Bevölkerung gestärkt werden, damit dem Bösen der Nährboden entzogen wird. Damit die Schwachen eine Stimme bekommen. Die Autorität der Weltgemeinschaft kann auf Hingabe basieren. Wenn die Werte glaubwürdig vorgelebt werden.
Die Befugnisse der UNO werden sich ändern. Nichts ist statisch. Aber noch wichtiger wird es sein, die Pflichten zu formulieren. Die Bekämpfung der Armut in der Welt gehört bereits zur Agenda. Es gab Zeiten, da gab es nicht einmal solche Gedanken. Und deswegen mache ich weiterhin Stimmung für die Weltverbesserer.

Bis zum nächsten Mal
Euer Zeitspiegelbild


05. Oktober 2015, 20:49

Kann Schmerz glücklich machen?

Heute habe ich mir eine Blessur am linken großen Zeh zugezogen, weil ich gegen einen Stuhl gekickt habe, aus Verärgerung. Das tut mir leid und ich bin in gewisser Weise glücklich, dass der Zeh anhaltend weh tut. Weil er mir schmerzlich ins Bewusstsein treibt, falsch gehandelt zu haben. Natürlich könnte ich jetzt Entschuldigungen vorbringen, die angeschlagene Gesundheit, allgemeine Probleme und dies und jenes. Oder einfach auf meine Nerven verweisen und stillschweigend als entschuldigt gelten wollen. Aber! Ich habe überreagiert und selbst gestresst, habe Potential für eine Eskalation geboten, meine eigenen Prinzipien verletzt und mich letztlich selbst verhöhnt.
Es ist müßig, über eine bessere Welt nachzudenken, wenn man nicht auch die Ursachen der Gewalt hinterfragt. Wo fängt Gewalt eigentlich an? Schon eine erhobene Stimme oder die leichteste Geste der Verärgerung, vielleicht nur ein Spreizen der Finger mit weit offenen Handflächen und hervor gepressten Augen wirken außerhalb des rein verbalen Raumes und appellieren nicht zwingend an den Verstand. Das lässt sich nicht vermeiden. Wir leben nun einmal mit unseren Gefühlen, unseren Nerven und nicht zuletzt mit unseren Ansprüchen. Sie machen unser individuelles Leben aber auch spannend und lebenswert. Der Mensch kann sich nicht selbst zur Maschine erheben, oder degradieren, je nach Sichtweise. Jedenfalls möchte niemand ohne Ziele und Gefühle leben.
Meinen Ehrgeiz, gewaltfrei zu leben, darf ich deswegen aber nicht aufgeben. Ich bin auch 'nur ein Mensch'! Kennen wir diesen Spruch nicht alle? Die Botschaft an alle Menschen muss sein, wir sind nicht 'NUR ein Mensch'. Natürlich sind wir auch NUR, nämlich Bestandteil der Natur. Aber wir können als Mensch besonders viel lernen. Und weil unsere Kinder und Kindeskinder von uns lernen, haben wir die Möglichkeit und Aufgabe, Schritt für Schritt in eine Gewaltfreiheit zu führen. Schon diese Aufgabenstellung muss allen neuen Generationen mit auf den Weg gegeben werden. Ich schreibe bewusst im Plural. Warten wir nicht weiter auf die höheren Strafen mit harter Hand für uns und die Generationen nach uns. Es ist übrigens auch erlaubt, nach Mäßigung zu rufen. Weniger ist mehr! Schritt für Schritt!

Bis zum nächsten Mal
Euer Zeitspiegelbild

Redakteur

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01. Oktober 2015, 10:08

Träume

Gestern sagte mir ein Bekannter, der Mensch sei von Grund auf schlecht. Natürlich habe ich diesen Satz schon oft gehört in meinem Leben. Regelmäßig lasse ich die Aussage so stehen, weil vor meinem inneren Auge unweigerlich Bilder einer Orgie der Zerstörung und Demütigung erscheinen. Das muss sprachlos machen. Die Brutalität, mit der viele Menschen alleine gelassen sind, scheint keine Grenzen zu kennen. Von Krieg, Gemetzel und Ausbeutung bis zur modernen Sklaverei lesen, hören und sehen wir in den Medien. Hinzu kommt das traumatisch daher kommende Bewusstsein, dass wir von der ökologischen Konstitution unseres Planeten abhängen, dieses aber vielleicht zu spät beherzigen wollen. Und dennoch kann ich mich nicht durchringen, zu bestätigen, dass der Mensch von Grund auf schlecht sei.
Der Mensch ist eine der unzähligen Verkörperungen des Lebens, ein Phänomen, das nicht über den Dingen steht. Es versucht, das eigene Leben zu erhalten. Wie der Baum, die Blume und das Tier. Das Leben ist eine Bündelung von Energie, mit den Konsequenzen, die uns sprachlos machen. Ist deshalb das Leben schlecht? Nein! Es bleibt objektiv ein Phänomen, das es zu steuern gilt. Und genauso ist es mit dem Menschen. Wir haben es individuell in der Hand, unser Leben zu gestalten, ergeben uns allerdings zu gerne in die Rolle des Opfers. Selbst wenn wir mit relativem Wohlstand gesegnet sind. Das Monster 'Mensch' bleibt unfähig, sich kollektiv der Askese hinzugeben und das Leben täglich neu zu ordnen. Askese steht hier für Gleichheit. Es ist der Ausgangspunkt des Zuwachses, die Null auf einem Zahlenstrahl, der ins Positive führt.
Was wäre die Welt ohne Träumer? Wie wäre das Leben ohne Träume. Träume sind rettende Anker in einem Meer des Wahnsinns. Sie sind Quelle der Hoffnung und der Inspiration. Der Traum ist der Spiegel der Seele. Ein Mensch kann die Welt nicht ohne Träume begreifen. Das Leben stellt sich in seiner unermesslichen Vielfalt so komplex dar, dass wir den Traum als Krücke auf dem Weg zum Begreifen benötigen. Wir verarbeiten im Traum unsere individuellen Eindrücke und erwachen in einer Welt des Schreckens, der wir scheinbar hilflos ausgeliefert sind. Also geben wir uns wieder der Suche nach dem individuellen Glück hin und hoffen auf ein wenig Freude. Lassen wir bitte niemanden alleine auf der Suche nach einem schönen Leben. Alle Menschen sind gleich, aber doch individuell verschieden. Und gerade deshalb ist der Mensch fähig, gut zu sein.

Bis zum nächsten Mal
Euer Zeitspiegelbild

Redakteur

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